Auf Nilbarsche am Lake Nasser

Nilbarsch – Safari am Lake Nasser 

 

Ende April dieses Jahres war es endlich soweit, meine Freunde Harry, Robert, Rene und ich starteten vom Flughafen Wien zu unserer Nilbarschsafari nach Ägypten an den Lake Nasser. Nach einer etwas mühevollen 18 stündiger Anreise trafen wir am Flughafen Abu Simbel, nahe der sudanesischen Grenze ein. Nach einer sehr genauen Kontrolle durch die Militärpolizei freuten wir uns, dass unser Safarileiter und Guide „Hamada“ und sein Team uns schon erwarteten.

Nach einer ca. 1-stündigen Fahrt durch die Wüste erreichten wir in einem kleinen Hafen unser Hausboot. Unsere Müdigkeit war wie weggeblasen als wir die schier unendlichen Weiten des „Lake Nasser“ sahen. Wir verstauten schnell unser Gepäck und nach einem Check unserer Angelplätze durch Hamada ging es los.

 

Der Lake Nasser staut den Nil von Assuan (Staudamm) bis in den Sudan und hat eine Fläche von ca. 6.500 km². Der Staudamm wurde Anfang der 60er Jahre fertig gestellt. Im Zuge des Baus hat sich in Assuan eine mit 25.000 Einwohnern bunte, lebhafte Stadt entwickelt. Da sich ein Großteil des Sees im militärischen Sperrgebiet befindet, muss sich während der gesamten Safari ein Militärpolizist an Bord befinden! Da unser begleitender Polizist „Achmed“ an Bord Uniform und Waffen (MP „Uzi“) ablegte und äußerst freundlich jeden Spaß mitmachte, störte diese Vorschrift in keinster Weise!

 

Der Nilbarsch ist einer der größten Süßwasserfische Afrikas und faszinierte über Jahrhunderte die Menschen am Nil. Im alten Ägypten war dieser Fisch ein kultisch verehrtes Tier; so hat man an vielen Stellen am Nil entlang mumifizierte Nilbarsche auf besonderen Grabplätzen gefunden. Heute ist der Nilbarsch der beliebteste Sportfisch Afrikas und hat als begehrter Speisefisch enorme kommerzielle Bedeutung. Ursprünglich fand man den Nilbarsch (afr. „Samusch“) im Albertsee, Turkana und Tschad sowie in Senegal, Niger- und Kongoflusssystemen. 1955 setzte man ihn auch im ca. 70.000 km² großen Lake Victoria ein, wo er heute als nicht heimische Fischart fast alle anderen Arten dezimiert hat. Berufsfischer fingen nachweislich Nilbarsche bis 163 kg, den Sportfischerrekord am Lake Nasser fing ein Engländer mit 141 kg bei Assuan mit Lebendköder.

 

Nach Vorstellung der uns begleitenden Mannschaft (Kapitän, Koch, 2 Guides, Polizist) und Kontrolle der Sprit-, und Nahrungsvorräte für die nächsten 8 Tage fing es endlich mit dem Fischen an.

 

Mit unseren Beibooten im Schlepptau beginnen wir unsere Nilbarsch Safari am Lake Nasser. Mit diesen beiden , in der Wüste nicht ganz unwichtig, überdachten Booten  wollten wir den Nilbarschen auf die Schuppen rücken. Um unseren Zeitplan einzuhalten  planten wir pro Tag ca. 30-50 km in Richtung Norden zu fahren.

 

Geschleppt wird an den felsigen Uferrändern. Hier sind die bevorzugten Standplatze der Riesenbarsche.

 
Und rumms, der erste Barsch hängt am Haken. Was jetzt folgt ist mit Worten kaum zu beschreiben. Das Wasser explodiert regelrecht, der Nilbarsch steigt aus dem Wasser und schüttelt seinen gewaltigen Schädel.
 
 
Dieser erste Biss eines Nilbarsches bleibt uns  ewig in Erinnerung. Die ungeheure Wucht und Geschwindigkeit und Sprünge sind spektakulär. Noch heute erinnern Narben an meinen Händen von den Versuchen ein wenig an der Rolle mitzubremsen, jedoch ohne jede Chance.
Unser Guide Hamada beim Abhaken eines geschleppten Nilbarsches. Jetzt, in den entscheidenden Momenten, zeigt sich die Wichtigkeit eines gut eingespielten Teams.
 
Natürlich muss auch unser Guide Hamada mit auf´s Fangfoto, denn ohne ihn wären diese Erfolge nicht möglich.
 
Das Basisboot wurde jeden Tag an neue Fanggründe verlegt und diente uns allen als Ess-, Wohn- und Schlafzimmer.

 Als Gerät wählten wir für das Schleppfischen:

 

  • Ca. 2,40 m lange Schleppruten (mit hohem Glasanteil) bis ca. 300 g Wurfgewichte (zB. Penn 30b)

  • Roitner Schlepprolle bzw. Multirollen Penn 321

  • Abriebfestes 0,50 mm Monofil mit 1 mm Shock-Leader und schwere Salzwasserwirbel

  • Rutenhalter: Multi Talent

Vor allem beim Schleppfischen werden kapitale Barsche erbeutet;  deshalb ist es notwendig bei allen Wobblern (Rapala Super Shead Rap, Magnum, Russellure, Storm, Deep Thunder) die Sprengringe und Drillinge gegen erstklassige hochfeste Komponenten auszutauschen.

 

Selbst 15 kg Barsche bogen uns Drillinge auf und zerstörten Wobbler.

 
Für das Uferfischen verwendeten wir leichteres Gerät (bis ca. 100 g Wurfgewicht). Jedoch hat man vom Ufer kaum Chancen einen großen Barsch zu landen. Der Durchschnitt liegt hier  bei ca. 15 kg! Wenn man allerdings an flachen sandige Buchten fischt, hat man auch vom Ufer seine Chance auf einen guten Fisch.
 
Nilbarsche und Fliegenrute, wie funktioniert das eigentlich? Diese Frage stellt man sich unweigerlich, wenn man als Mitteleuropäer am Ufer dieses riesigen Gewässers steht. Aber eines ist klar, es kommen nur erstklassige Geräte und Schnüre in Frage. Wir verwendeten Salzwasserfliegenruten Kl. 10 ( zB. SAGE RPLXi) und große stabile Salzwasserrollen (Roitner Antireverse) und Epoxy – Tarponfliegen gebunden an abriebfestes Monofil. Vor allem das Fliegenfischen auf Barsch und Tigerfisch (bis 8 kg) war spektakulär. Den ersten Fluchten und Sprüngen steht man machtlos gegenüber und erinnert an die Tarponfischerei. Das  erste Zusammentreffen Flugangel kontra Nilbarsch ging ganz klar zugunsten meines geschuppten Kontrahenten aus. Er verabschiedete sich mit einer Flucht, die ich bis dahin noch nicht erlebt hatte. Und wie zum Hohn nahm er auch noch meine Fliegenschnur plus Backing als Andenken mit. Ich hatte die Kampfkraft dieser Riesenbarsche komplett unterschätzt. Vom Ufer sollte man daher, wie auch beim Spinnangeln, nur an Stellen mit sandigem Grund mit der Fliege fischen. Bei felsigem Untergrund hat man keinerlei Chancen, da die Nilbarsche die Schnur an den Felsen abscheuern. Vom Boot aus, sieht die Sache allerdings anders aus. Hier hat der Angler, bedingt durch tieferes Wasser, mehr Vorteile. Doch zuerst muss ein Nilbarsch zum Angriff bewegt werden. Unser Guide half hier mit einem kleinen Trick nach. Ein kleiner Wobbler ohne Haken wird schnell über Krautbänke gezogen. Der Nilbarsch greift an und kann diesen Reizköder aber nicht fassen. Dieses Spiel wiederholt sich so oft bis unser Guide sein Zeichen gibt.
 

Jetzt kommt die Fliegenrute zum Zug. Es ist unglaublich, die Fliege berührt noch nicht einmal die Wasseroberfläche als sich der Nilbarsch mit weit aufgerissenen Maul darauf stürzt. Ein Drill auf Biegen und Brechen folgt und zeigt mir eine neue Dimension des Flugangelns. Allein dieses Erlebnis war schon die Reise wert.

 

Tiefblauer Himmel, ein riesiger glasklarer See und Nilbarsche mit der Fliegenrute.

Anglerherz was willst du mehr.

 

Wer an den Lake Nasser fährt, muss natürlich auch mit Tigerfischen rechnen. Tigerfische fängt man beim Schlepp- und Spinnfischen. Aber auch mit der Fliege ist das angeln auf diese kampfstarken Fische sehr reizvoll. Diese Fischart besitzt ein furchterregendes Gebiss mit nadelscharfen Zähnen, die unsere Wobbler und Fliegen ordentlich malträtierten. 
 

Harry mit herrlich gezeichnetem Tigerfisch.

Ein gewisser Respektsabstand kann bei diesem respektablem Gebiss nie schaden.

 

Die größten Nilbarsche fingen wir allerdings beim Schleppfischen.

Jeder Tag begann um ca. 5 Uhr mit Schleppen bis ca. 10 Uhr. In dieser Zeit fingen wir auf Wobbler mehrere Barsche und Tigerfische in Tiefen bis ca. 12 m. Am Echolot sahen wir in einer Tiefe von 40 m zahlreiche große Exemplare ab 50 kg, die aber unsere Köder verschmähten. Mit einer für unsere Verhältnisse höllischen Schleppgeschwindigkeit von 8 km/h  schleppten wir unsere Wobbler durch den riesigen Stausee. Auch jetzt verwendeten wir nur Gerät von höchster Qualität. Jeder Schleppangler kann nachvollziehen, was es bedeutet wenn bei dieser Geschwindigkeit ein 30 – 40 kg schwerer Fisch beißt.

 

Es folgten traumhafte Runs und Sprünge die mich bis in den Schlaf hinein verfolgten. Schleppfischen am Lake Nasser bedeutet extremes Fischen in einer wunderschönen Wüstenlandschaft.
 

 Der Großteil der gefangenen Fische wog bis 20 kg. Kleinere wurden einzeln für das Abendessen entnommen.

 

Gruppenbild mit Nilbarsch

Da ich mit Harry (schon das 4te mal dabei) und Hamada ein perfektes Team hatte, hatten wir innerhalb von 2 Tagen über 60 Bisse (und mehrmals Doppel- und Dreifachdrills!). Unsere größten Fische wogen 46 kg und 42 kg.

 
Weitere Infos zur Reise

 

  • Reisezeiten: Mengenmäßig viele Fische bis 50 kg ð April – September          
                        hochkapitale Fische ab 50 kg ð November – Jänner     
    die hängt mit der Laichzeit des Hauptfutterfisch „Tilapia“ zusammen.   
    Auch beste Zeit abends auf Vundu -Wels (-60 kg)     
     

    Der Futterfisch der Nilbarsch ist der TILAPIA

       
    Erfolgreiches Grundangeln auf VUNDU - Wels
       

    Kugelfisch aus dem Lake Nasser

  • Die Fischerei ist für Ausländer erst seit einigen Jahren gestattet. Es kann nur über die beiden Veranstalter „Hamada“ oder Tim Baily gebucht werden.         

     

  • Genügend Geräte und Ersatzteile und Wobbler mitnehmen, keine Kaufmöglichkeit

     

  • Keine Malaria, keine Insekten, jedoch mit ausreichend Schmerz- und Magentabletten versorgen    

     

  • Man fischt auf islamischen Boden. Keine politischen oder religiösen Diskussionen beginnen. An Bord geht alles europäisch locker zu und unsere Begleiter haben oft auf das Beten vergessen aber gerne mit uns ein Bier oder ein Glas Whisky getrunken! Am letzten Abend wurden wir von Hamada in sein Haus in Assuan zu einem opulentem Abendessen eingeladen und lernten viel über die ägyptischen Traditionen kennen. Wir Österreicher sind in Ägypten schon seit Kreiskys Tagen ein sehr beliebtes Land! Die gesamte Mannschaft bestand aus Nubiern. Es sprachen alle gut bis sehr gut Englisch. Wir hatten immer gute Stimmung; das Team ist mehr als freundlich und hilfsbereit. Kalte Getränke (Cola, Wasser, Bier) und überraschend gute, ausgiebige Mahlzeiten unseres Kochs sorgten für unser Wohlbefinden. Kein einziger von uns hatte Magenprobleme!

 

Die Wüste lebt. Im Sand sahen wir des öfteren Spuren von den am Lake Nasser lebenden Krokodilen.

Man schätzt ihre Zahl auf ca. 17.000 Stück.  Es ist bei einem Bad immer den Anweisungen des Guides Folge zu leisten. Vor allem als neben Freund Harry in ca. 30 m Entfernung ein Krokodil auftauchte war unser tägliches Bad immer mit Spannung versehen. Da die nächstgelegene Ortschaft und somit ärztliche Versorgung ca. 800 km entfernt ist, auch an Bord achtsam bewegen und am Ufer bei Morgengang auf die Skorpione achten! Wir können nur lobend über die ausgezeichnet organisierte Reise berichten und kommen 2006 wieder. Es werden nur vereinzelnd Barsche zum Verzehr entnommen. Aus Ägypten dürfen keine Fische nach Österreich eingeführt werden! Obwohl Hamada eine Lizenz für 10 Boote (20 Fischer) hat, werden pro Reise max. 4-6 Fischer angenommen, d.h. am gesamten See sieht man außer wenigen nomadisierenden Tilapia-Berufsfischern keine anderen Menschen.

 

Das Fazit unserer Reise. Ein mal Lake Nasser - immer Lake Nasser

 

Auf Wiedersehen 2006

 

Bei Fragen bzw. Interesse stehe ich, Alfred Nagy (0664/3969184), oder mein Freund Harald „Harry“ Böheim (0699/19430564) als Kontaktperson in Österreich gerne zur Verfügung.