Die Laichfischerei auf Coregonen

Laichfischen mit Kiemennetzen

 Einbringen eines Maränennetzes
 
Am Anfang steht das Ei. Dieser Spruch gilt natürlich auch für unsere Coregonen. Da diese Fische wirtschaftlich und anglerisch sehr stark genutzt werden, man spricht sogar vom Brotfisch der Berufsfischerei, ist um den Bestand nicht zu gefährden, eine künstliche Erbrütung und Aufzucht notwendig. An fast jedem größeren See in Österreich, Bayern und der Schweiz gibt es Aufzuchtstationen für unseren Renkenbesatz. Unterstützt werden diese Besatzprogramme von wissenschaftlichen Einrichtungen wie das limnologische Institut in Mondsee oder Langenargen am Bodensee. Es gibt auch eine internationale Zusammenarbeit dieser Anstalten und die Renke, Maräne, Felchen oder sonstige lokale Coregonenarten zählen somit zu den am besten und genauesten untersuchten Fischen in unseren Breitengraden. Bei der jährlich durchgeführten Laichfischerei arbeiten Berufsfischer und Wissenschaftler oft Hand in Hand. Dieser Netzzug wird im meistens im November durchgeführt, wobei die Erfahrung und das Gespür für den richtigen Zeitpunkt äußerst wichtig sind. Faktoren wie die Wassertemperatur von 6 - 8 ° C und die richtige Lichtlänge sind jetzt entscheidend. Wenn alle Bedingungen passen, wird in Ufernähe ein Stellnetz in den See eingebracht. Für die Laichfischerei auf Coregonen wird in der Regel ein Grundnetz verwendet. Dieses Netz besteht aus monofilem Material. An der Netzoberkante sind Schwimmer eingebunden, die das Netz aufrecht halten. In der Netzunterkante ist eine Bleischnur integriert um das Netz senkrecht und am Platz zu halten. Der oder die Schwimmer dienen zum Markieren des Grundnetzes. Immer mehr in den Vordergrund bei der Laichgewinnung rückt die so genannte Mutterfischhaltung. Bei dieser speziellen Art der Laichgewinnung werden die laichreifen Coregonen aus einem Aufzuchtteich abgefischt, abgestreift und kommen anschließend wieder in ein Becken. Dort erholen sich dort rasch für den Transport zurück in den, nennen wir ihn, Mutterfischteich. Bei der herkömmlichen Laichgewinnung mit Kiemennetzen ist dies leider nicht möglich, da die Maränen durch den Fang so beschädigt sind, dass ein zurücksetzen keinerlei Sinn ergibt. Der Vorteil der Mutterfischhaltung ist daher, man hat jederzeit genügend Laich zu Verfügung, die natürlichen Laichfische bleiben im See und zusätzlich wird noch das eigene genetische Fischmaterial gesichert. Eine weitere Möglichkeit zur Laichgewinnung ist das Fischen mit der Ringwade. Auch hier können die Abgelaichten Fische wieder zurückgesetzt werden. Die Ringwade wird aber in erster Linie im skandinavischen Raum verwendet und in unseren Gewässern nur sehr selten eingesetzt.
Die Renken ziehen, wenn die Wassertemperatur auf 6 - 8 °C  gesunken ist, in Ufernähe um über Sand und Kiesgrund zu laichen. Die Eianzahl bei den Coregonen beträgt im Durchschnitt ca. 20 000 Eier pro kg Körpergewicht. Diese Angabe ist aber nur eine ungefähre Zahl, da es bei lokalen Arten auch bei der Eianzahl große Unterschiede geben kann.
 
Beim Versuch durch das Netz zu schwimmen, bleiben sie mit ihren Kiemen hängen und können weder vor oder zurück. Da Renken sehr empfindliche Fische sind und schnell eingehen, muss das Netz auf jeden Fall in aller Frühe eingebracht werden um die Qualität des Renkenlaiches nicht zu gefährden. Dann muss alles sehr schnell gehen. Die Renken werden auf ihren Reifegrad untersucht und, wenn der Laich rinnt, sofort abgestreift und mit dem Sperma eines Milchners befruchtet. Die frisch abgestreiften und befruchteten Eier müssen mit ausreichend Wasser bedeckt sein um das Aufquellen der Eier sicherzustellen. Den Rest der Arbeit erledigt dann die damit beauftragte Aufzuchtstation.
Laichfischen mit der Ringwade
Um die Maränen so schonend als möglich abzufischen, kann auch eine so genannte Ringwade eingesetzt werden. Mit dieser Technik ist es möglich die Maränen unverletzt zu fangen und nach dem Abstreifen großteils wieder zurück zu setzen. Die Ringwade ist ein Fanggerät der Hochseefischerei und wurde um 1820 in den USA erfunden. Das bis zu 160 m lange und 12 m tiefe Netz wird ringförmig um einen Fischschwarm ausgelegt. Die Oberleine wird durch Schwimmer an der Oberfläche gehalten. Um das Netz im Wasser gestreckt zu halten sind an der Netzunterkante Bleigewichte eingenäht. Anschließend wird das Netz mit der an der Unterleine befindlichen Schnürleine unten zugezogen so das die Fische völlig vom Netz eingeschlossen sind. Während ein Mann die Schnürleine auf Zug hält beginnen die anderen Fischer mit dem Einholen des Netzes. Mit der im Einsatz stehenden Ringwade können ca. 1000 m² abgefischt werden. Durch die Bleigewichte an der Netzunterkante und der geringen Maschenweite entsteht ein gewaltiger Druck und nur mit vereinten Kräften kann das Netz wieder gehoben werden.
Mit gespannten Erwartungen kommt jetzt die letzte Phase der Ringwadenfischerei. Unversehrt kommen die Maränen an die Wasseroberfläche und werden schonend mit großen Keschern geschöpft. Durch die enge Maschenweite die dem Ende der Wade nach immer enger wird, gibt es praktisch keine Verletzungen an Kiemen, Schuppen oder Flossen unserer Laichfische. Zum Teil werden die Maränen schon jetzt auf Ihre Laichreife untersucht. Da meistens mehr Milchner im Netz sind als gebraucht werden, können diese Dank der schonenden Fangweise unverletzt sofort wieder zurückgesetzt werden. Jetzt muss alles sehr schnell gehen. Um die empfindlichen Laichfische nicht noch mehr Stress auszusetzen, werden sie umgehend in ein vorher in den See eingebrachtes Netzgehege gesetzt.
Unversehrt schwimmen die Maränen im Netzgehege und warten auf Ihre Laichreife. Nach dem Abstreifen werden die Maränen wieder in den See eingebracht und sorgen mit Ihrem künstlich erbrüteten Nachwuchs für eine, auch in Zukunft, nachhaltige Fischerei.
 
Damit wir auch in Zukunft so schöne Renken fangen.
Petri Heil