Auf Renken mit dem Nachläufer

Mit dem Nachläufer. Oft genug kommt diese Antwort wenn man sich bei einem Renkenfischer ob seiner erfolgreichen Fangmethode erkundigt. Doch was ist ein Nachläufer und warum wird diese Methode von einigen Spezialisten nur im Geheimen angewendet und nur ungern verraten. Das hängt natürlich, man kann es sich ja denken, mit der unglaublichen Fängigkeit dieser Methode zusammen. Wenn im Frühjahr die Renken, mangels ihrer Hauptnahrung, dem Zooplankton, ihre Nahrung bevorzugt im Grundbereich suchen, sie nehmen zu dieser Zeit alle möglichen Arten von Insektenlarven, Würmer oder sonstigen Bodenbewohnern, dann ist es Zeit einen Nachläufer an seine Hegene zu knüpfen. Natürlich ist es nicht damit getan nur eine zusätzliche Nymphe an die Hegene zu binden und los geht´s mit der Renkenparty.
Der Abstand der untersten Nymphen darf sich nicht überschneiden.
Man muss zuerst seine Hausaufgaben machen und eine für einen Nachläufer geeignete Hegene binden. Bei einer normal gebundenen Hegene hat die letzte Nymphe in der Regel ja einen Abstand von ca.15 cm zum Blei. Wenn wir die Länge des  Nachläufervorfaches jetzt mit 20 cm festlegen, kürzer hat wegen der Scheuchwirkung des Bleies keinen Sinn, so kommt es unweigerlich zu Verwicklungen mit dem letzten Abzweiger. Wir müssen also den untersten Abzweiger 25 cm vor dem Blei einbinden und der Nachläufer hat keine Chance sich in der untersten Nymphe zu verhaken. Und um beim schnellen Absenken ein Hochrutschen des Bleies zur untersten Nymphe zu verhindern, wird in die Schlaufe einfach eine Schnurperle als Bleistopper mit eingefädelt.
Als Puffer, und um das Hochrutschen des Bleies an der Hegene zu verhindern, werden Schnurperlen verwendet.
Aber auch der Wirbel wird mit einer Perle gegen das Blei geschützt und in diesen Wirbel wird jetzt der Nachläufer eingeschlauft. Damit wäre eigentlich der Bindevorgang genügend erklärt und wir haben jetzt eine Hegene mit einer zusätzlichen Nymphe in der besten, nennen wir es Beißzone, einer Hegene. Die weitaus meisten der gefangenen Renken gehen ja auf die untersten drei Nymphen. Mit dem Nachläufer haben wir jetzt aber 4 Nymphen in diesem Bereich und somit steigen auch unsere Chancen auf einen Biss.
Anhand dieser Grafik sieht man in groben Zügen den Aufbau einer Hegene mit Nachläufer. Selbstverständlich kommen nur kleinste Materialien zum Einsatz und mit unauffälligen Schnurperlen und einem kleinen Wirbel vermindert man eine eventuelle Scheuchwirkung.
Das Fischen mit dem Nachläufer funktioniert in der Regel nur mit der Zupfrute, denn nur wenn man die nachhängende Nymphe sehr langsam vom Gewässergrund weg hebt ist die Effektivität dieser Methode gegeben und ein Fangerfolg sicher. Man kann also sagen diese Hegene ist eine Grundhegene und Versuche im Freiwasser brachten deutlich weniger Bisse als im Bodenbereich. Doch wer jetzt glaubt, diese spezielle Hegene fängt ihre Fische von selbst, dem steht so manche Enttäuschung bevor. Renken sind sehr launische Fische und oft genug nicht an einem Köder interessiert. Da nützt auch die geheimste Nymphe mit allen Farben dieser Welt nichts, man bekommt einfach kein Biss. Doch wie die meisten unserer geschuppten Freunde sind Renken sehr neugierig und registrieren jede Bewegung in ihrem Lebensraum. Jetzt kommt die Stunde des Nachläufers. Man kann diese spezielle Methode auf mehrere Arten fischen. Stehen die Renken etwas höher, das heißt einen Meter über Grund, wird der Nachläufer langsam wie mit einer normalen Hegene hochgezogen. Diese Methode imitiert aufsteigende Insektenpuppen und lockt mit dem Nachläufer als letzte freischwebende Nymphe die Renken an den Haken. Irgendwas reizt die Renken an der nachhängenden Nymphe, wahrscheinlich ist es so wie im richtigen Leben, denn letzten beißen die, in diesem Falle, Fische. Alles was aus der Reihe tanzt ist irgendwie auffällig und dadurch interessant. Instinkte oder Neugier werden geweckt und die Renken schnappen sich noch schnell die letzte Nymphe bevor sie zur Wasseroberfläche entkommt. Stehen die Renken allerdings am Grund, so wird der Nachläufer langsam schwebend, vom Grund weggezogen. Jeder, auch an der Lebensweise unserer Fischnährtiere interessierte Angler, weis um das Verhalten aufsteigender Insekten. Sie schweben vom Gewässergrund nach oben, nur gestoppt durch schnelle Streck und Krümmbewegungen. Ganz so als könnten sie es nicht erwarten endlich die beengende Puppenhülle abzustreifen. Genau dieses Verhalten imitieren wir mit unserer Zupfmethode. Mit kurzen Hebebewegungen ziehen wir die Hegene vom Grund weg. Zwanzig Zentimeter hoch, Zehn Zentimeter runter, sich bis zu einem Meter steigernd, jetzt muss jeder Angler seinen eigenen Rhythmus finden. Kleine Stopps und mit der Rutenspitze zitternd oder mit kurzen Rucken den künstlichen Nymphen Leben einhauchend, erhöhen jetzt zusätzlich den Reiz der von unserer Hegene ausgeht. Man muss sich das Szenarium am Seegrund so vorstellen. Aufsteigende Insektenpuppen verlassen den schlammigen Gewässergrund, Renken steigen den Insekten nach und nehmen gleich die erste Nymphe die sie erwischen. Dieses Verhalten zeigen alle Schwarmfische, den man will ja schneller sein als die Konkurrenz. Der Nachläufer ist daher jetzt die erste Anbissstation und wird von den Renken voll genommen.
 Kein kleines Bibbern oder kurzes Rucken kündigt den Biss an, sondern zügig wird die Rutenspitze nach unten gezogen und die Renke hängt fest am Haken. Aber auch mit dem Nachläufer gibt es Leerläufe. Doch mit einem einfachen Trick kann man doch noch zum Fangerfolg kommen. Man lässt das Hegenenblei einfach ein paar Mal in den Schlamm am Gewässergrund fallen und es entstehen Klopfgeräusche und kleine Schlammwölkchen. Jetzt legt man das Blei wieder auf Grund, wartet ein paar Sekunden bis auch der Nachläufer im Sediment liegt und zieht langsam die Montage aus den Schlammwolken heraus. Die Renken werden durch die Unruhe am Gewässergrund neugierig und dann kommt der Nachläufer aus der trüben Wasserschicht. Einfach unwiderstehlich für bodennahe Renken oder Maränen. Erfahrene Renkenangler kennen ja die Situation, wenn einfach nichts mehr geht und man einen Platzwechsel vornimmt. Der Anker saust runter und es ist oft unglaublich, innerhalb der nächsten Minuten hängt eine Renke an unserer Hegene. Aufgewirbeltes Sediment ist daher mit Sicherheit für Renken immer interessant und ich kenne aus den Anfangszeiten der Renkenfischerei Angler die bei einer Beißflaute mit dem Anker den Gewässerboden regelrecht durchpflügten und dann ihre Renken fingen. Aber das sind Geschichten aus der Vergangenheit und mit dem heutigen Denken eines auch auf die Ökologie eines Gewässers denkenden Anglers nicht mehr zu vereinbaren. Man sollte ja den Gewässergrund so wenig als möglich beschädigen.
Diese Renke konnte dem Reiz des Nachläufers nicht widerstehen.
Eine Büschelnymphe als Nachläufer brachte den Fangerfolg
Ein großer Vorteil dieser Methode ist auch die Möglichkeit bei der Farbwahl. Jeder Renkenangler kennt die Situation wenn Renken nur ein bestimmtes Farbmuster nehmen. Mit dem Nachläufer können wir dieses Verhalten zu unserem Vorteil anwenden und den Nachläufer einfach mit der im Moment am besten gehenden Farbe präsentieren. Es schadet auf keinen Fall, wenn man jetzt verschiedene Nachläufervorfächer fertig mit Schlaufenknoten aufgebunden, bei der Hand hat. Dieses Vorfach ist schnell gewechselt und man ist für alle Fälle (Farbe) gerüstet. Und noch ein Tipp. Nicht rumfummeln, sonder den nicht fängigen Nachläufer einfach abschneiden und die Nymphe auf eine Styroporkarte stecken. Zu Hause oder in Fangpausen hat man genügend Zeit das alte Vorfach neu zu binden.
Renkenzupfen mit dem Nachläufer kann also sehr abwechslungsreich und spannend sein, und das Beste an dieser Angelmethode sind die fast immer massigen Fische.
Hier geht es zu den HM Hegenen mit Nachläufer
Petri Heil